Von Grenzen, Respekt und Vernunft

 

Lässt man kleinen Tieren oder Kindern, aber auch unmündigen und selbstsüchtigen Erwachsenen zu viel Freiraum, loten sie immer weiter aus, wie weit sie gehen können. Je mehr man ihnen gibt, desto mehr nehmen, ja fordern sie. Ein angeborener Instinkt, andere, deren Freiraum und Terrain, zu respektieren, existiert nicht. Immer wieder aufs Neue beweist sich die einstige Theorie Darwins „das Recht des Stärkeren“ als bittere Wahrheit.

Ob Kinder, Wölfe oder Rehe, sie alle haben keinen Verstand, denn der muss sich erst aufgrund der Erziehung und mit der Reife anhand von symbolischen Grenzziehungen entwickeln. Im Menschen wären die Anlagen für einen Verstand gegeben, im Gegensatz zum Tier, dass mit Zwang in seine Schranken gewiesen werden muss. Wölfe töten im Blutrausch so viele Beutetiere, wie sie erwischen können, ähnlich den Füchsen und Mardern. Sie halten nicht inne wie der Löwe, wenn er eine Gazelle gerissen hat. Ich möchte nicht das Gezeter hören, wenn der erste Wolf in Deutschland ein Kleinkind, das auf der Wiese spielt, tötet.

Genau dieser Mensch aber, nicht nur das Kind, sondern auch der Erwachsene, den man als vernunftbegabtes Wesen bezeichnet, erweist sich nur allzu oft als fern jeglicher Vernunft, vor allem dann, wenn er keine Grenzen und keinen Respekt gelernt hat. Verweichlichte und antiautoritäre Eltern erziehen ihre Kinder antiautoritär zu Memmen. Und diese ihre Kinder wiederum in ähnlicher Weise. 

Der Effekt ist, dass diese Generation Schneeflocke alles toleriert, für alles eine Entschuldigung und vor allem einen anderen als Schuldigen sucht. Nur, um die eigene weit überzogene Toleranz und Ignoranz zu rechtfertigen.

Wie Mensch und Tier sich doch ähneln.

Ich will daher zur Untermauerung meiner Behauptung eine Begebenheit aus der Tierwelt wiedergeben.

Ich hegte und pflegte in einem Areal neu gepflanzte Bäume. Darunter seltene und welche, die vom Aussterben bedroht sind. Auch blühende Sträucher, die den Bienen, Hummeln und anderen Insekten genügend Nahrung bieten sollten. Ich nutzte einen vorhandenen Zaun, der früher für meine Schafe und Esel diente und dachte mir, dass mit 1,2 m Höhe nicht allzu viele Rehe über dieses Hindernis springen würden, wenn überhaupt, zumal in unmittelbarer Nachbarschaft genügend Wiesen und Wald zum Äsen bereitstehen.

Dieses Jahr nun muss ich feststellen, dass jeden Tag junge Stämme von Spießern abgewedelt und die Spitzen junger Triebe abgefressen werden. Ich versuchte noch zu retten, was zu retten war und umzäunte die wertvollsten Bäume nochmals einzeln mit einem Zaun. Doch bei mehreren hundert Bäumen ist das illusorisch. Was tun? Ich war schon so wütend, dass ich am liebsten dem Jäger Bescheid geben wollte, er solle doch den Rehbock aufs Korn nehmen. Aber deswegen gleich nach finalen Lösungen schreien? 

Nein. Vor allem bin ich selbst Schuld. Ich habe sie reingelassen, obwohl ich ihre Art kannte, genau wusste, was für einen Schaden sie anrichten, dass sie nicht zu erziehen sind und dass sie keinen Respekt vor meinem Jungwald haben würden. Es ist also müßig, den Rehen, die so sind wie sie sind, die Schuld zu geben. Ich habe es zugelassen und muss nun die Folgen tragen, die finanziellen und den Ärger.

Was könnte ich sonst tun, welche Möglichkeiten bieten sich, den Schaden zu begrenzen – im wahrsten Sinne des Wortes? Den Zaun noch höher ziehen? Das kostet viel Geld und viel Arbeitszeit. Eigentlich hätte ich überhaupt keinen Zaun vorgesehen, wie auf anderen Flächen von mir, wo leider die gleiche Situation herrscht und die Rehe frische Sprossen, Buschrosen, Tulpen, Lupinen, Stauden und viele andere Blumen Jahr für Jahr abfressen und nur das gedeiht, was ihnen nicht schmeckt. Es ist schon recht frustrierend, wenn man Freiheit gewähren möchte, sich zudem Mühe gibt, eine intakte  Natur und schöne Umwelt zu schaffen, die dann ein Spießer mit 1-2 Rehen binnen kurzer Zeit zunichte macht. Oder sollte man einfach aufgeben, was man geschaffen hat, alles überwuchern und verwildern, alles den Rehen, Wildschweinen, Wölfen und Füchsen überlassen?

Eine Geschichte aus dem Leben, einer Fabel ähnlich, die mir nur allzu bekannt vorkommt. Und warum verstehen das so viele Menschen nicht? Liegt es an derem Masochismus, unter dem sie leiden?

Der Masochismus der Deutschen

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