Dieter Nuhr auf Facebook

Dort schreibt Dieter Nuhr:

Lisa Eckhart wird vom Literaturfestival in Hamburg ausgeladen – wegen Sicherheitsbedenken, mit der Begründung es „könnte im linken Viertel Proteste geben“. Was für ein Skandal! Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf.

Wir müssen nun endlich darüber diskutieren, was Freiheit der Rede heute noch bedeutet. Wer Lisa Eckhart Antisemitismus vorwirft, muss entweder geistesgestört sein oder böswillig. Ich fürchte, bei einigen ist es eine Mischung aus beidem.

Sie steht als Künstlerin mit einer verstörenden Kunstfigur auf der Bühne, die eine Performance abliefert, die an Relevanz und Irritation nichts zu wünschen übrig lässt. Der Künstlerin Lisa Eckhart ist Antisemitismus völlig fremd. Die Anschuldigung ist eine lächerliche Diffamierung.

Der linke und der rechte Mob wünscht sich offenbar nun eine Kunst, die linientreu den eigenen Ideologien folgt. Wer da nicht reinpasst, wird mundtot gemacht. Das Auftrittsverbot ist eine klare Entscheidung gegen die künstlerische Freiheit. Die fadenscheinige Begründung Antisemitismus soll das Ganze moralisch untermauern. Aber Lisa Eckhart ist keine Antisemitin. Sie ist nur nicht links genug. Der Vorwurf des Antisemitismus ist lediglich der perfide Versuch, eine politisch verdächtig eigenständig denkende Person zu diskreditieren.

Nun schreckt man heute selbst vor totalitären Maßnahmen wie einem Auftrittsverbot nicht mehr zurück. Dem muss entgegengesteuert werden. Die Absage macht mich fassungslos.

 

Und nur wenige Tage zuvor erhielt Nuhr heftige Kritik zu folgenden Äußerungen:

„Wissenschaft weiß nicht alles, ist aber die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig.“ …

„Wissenschaft ist der Weg zur Erkenntnis. Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu hundert Prozent sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben“.

„Wissenschaft bedeutet auch, dass sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert“ …

Es gibt „keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet“.

„Wer ständig ruft , ‚Folgt der Wissenschaft!‘, hat das offensichtlich nicht begriffen.

(Dieter Nuhr in einer Audiobotschaft, um die ihn die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Kampagne „DFG 2020 Für das Wissen entscheiden“ zu ihrem hundertjährigen Bestehen gebeten hatte)

Was ist an diesen Aussagen verwerflich oder falsch? 🤔

Fakt ist, seine Audio-Nachricht, die auf Social-Media-Kanälen kursierte, wurde „aufgrund der starken und sehr kritischen Resonanz“, wie es heißt, seitens der DFG auf der Kampagnenseite wieder gelöscht. Vor allem galt die öffentliche Kritik der Systemlinge seinen Scherzen über Corona, Greta und dem Klimawandel.

So witzelte Nuhr über Merkel, was natürlich für politisch Korrekte gar nicht geht: „Ist dieser Drosten noch ihr virologischer Berater? Oder ist sie ihm inzwischen schon hörig?“

Ich bin nicht immer der gleichen Meinung wie Herr Nuhr, warum sollte ich auch? Er hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Jedem hält er den Spiegel vor, wie auch mir, und regt zum Nachdenken an. Das ist gut so, zumal er sich nie beleidigend oder herabwürdigend äußert wie der politisch korrekte Böhmermann, der sich alles erlauben darf und der wegen seiner beleidigenden Worte von seinen Jüngern noch frenetisch beklatscht wird.

Und Nuhr ist kein Einzelfall. Jeder, der es wagt Kritik zu äußern und mit satirischem Unterton Fragen aufwirft, die politisch nicht korrekt sind, wird von ARD und ZDF gefeuert.

So schrieb der Focus am 06.12.2019: Die Ostalgie-Sendung „Steimles Welt“, die seit 2013 im MDR zu sehen war, wird 2020 nicht fortgesetzt. MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi teilte mit, man habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. „Wiederholt hat Uwe Steimle in öffentlichen Äußerungen die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frage gestellt, so etwa 2018 in einem Interview mit der ‚Jungen Freiheit‘.“

Auch die Kabarettistin Monika Gruber hält Ihren Mund nicht und erntet prompt scharfe Kritik. Auf Facebook veröffentlichte sie kürzlich ein Video, in dem sie sagt: „Ich habe gestern einen Spruch im Radio gehört von der Weltgesundheitsorganisation WHO: ,Bitte helfen Sie mit, die Menschheit zu retten, indem Sie sich möglichst weit von ihr fernhalten.‘ Der Spruch ist ungefähr der dümmste seit ,Geiz ist geil‘.“

 

Lisa Fitz macht sich auch so ihre Gedanken.

 

Und wie sagte bereits Voltaire:

„Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzten, dass du es sagen darfst.“

Gerade in der heutigen Zeit scheint mir der Ausspruch von Voltaire besonders wichtig zu sein.

Jeder Mensch soll frei seine Meinung sagen dürfen. Jedoch unter der Prämisse des gegenseitigen Respekts. Wer dagegen verstößt, stellt unter Beweis, dass er dieses Rechts nicht würdig ist.
Wer zudem das Recht der freien Meinungsäußerung beschneidet, der handelt autoritär und diktatorisch.

 

Entschuldigung der DFG

Am 06.08.2020 rudert die DFG erneut zurück und bedauert ihr vorschnelles Handeln.

In der anhaltenden Debatte um den Beitrag von Dieter Nuhr hat die DFG mit Einverständnis des Kabarettisten dessen Beitrag wieder auf die Internetseite der Online-Aktion #fürdasWissen gestellt und dazu folgende Erklärung veröffentlicht:

Die DFG bedauert es ausdrücklich, das Statement von Dieter Nuhr vorschnell von der Internetseite der Online-Aktion #fürdasWissen heruntergenommen zu haben. Herr Nuhr ist eine Person, die mitten in unserer Gesellschaft steht und sich zu Wissenschaft und rationalem Diskurs bekennt.

Auch wenn seine Pointiertheit als Satiriker für manchen irritierend sein mag, so ist gerade eine Institution wie die DFG der Freiheit des Denkens auf Basis der Aufklärung verpflichtet. Wir haben den Beitrag daher wiederaufgenommen. Die Diskussion um den Beitrag verdeutlicht exemplarisch die Entwicklungen, die aktuell viele öffentliche Diskussionen um die Wissenschaft kennzeichnen.

In verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft hat sich eine Debattenkultur entwickelt, in der oft nicht das sachliche und stärkere Argument zählt, in der weniger zugehört und nachgefragt, sondern immer häufiger vorschnell geurteilt und verurteilt wird. An die Stelle des gemeinsamen Dialogs treten zunehmend polarisierte und polarisierende Auseinandersetzungen. Gerade bei zentralen Fragen wie dem Klimawandel oder der Coronavirus-Pandemie werden damit die wirklich notwendige Diskussion um wissenschaftliche Themen und der konstruktive Austausch zwi- schen Wissenschaft und Gesellschaft behindert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Erkenntnisse öffentlich machen und politische Handlungsoptionen beschreiben, sind immer häufiger Ziel unsachlicher Attacken und persönlicher Diffamierungen. Dies gilt auch für gesellschaftliche Bewegungen, die für die Wissenschaft eintreten und öffentlich dazu aufrufen, wissenschaftliche Erkenntnisse stärker zur Basis von Entscheidungen und Handlungen zu machen.

Diese Entwicklungen sind der Gesellschaft nicht zuträglich und umso bedenklicher, als die Wissenschaft bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen eine zentrale Rolle spielt, mit der sie derzeit in der Gesellschaft stark wahrgenommen und geschätzt wird. Dabei ist sie ihrerseits auf eine kritische, offene und konstruktive Kommunikationskultur angewiesen.

Die DFG möchte diese Beobachtungen zum Anlass nehmen, eine intensive Auseinandersetzung mit der aktuellen Debattenkultur rund um die Wissenschaft anzustoßen. Die DFG steht für Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit sowie für eine differenzierte Diskussionskultur. Hierfür wird sie sich auch in Zukunft weiter mit aller Kraft einsetzen – gemeinsam mit anderen Akteuren aus Wissenschaft, Medien, Politik und anderen Bereichen der Gesellschaft im In- und Ausland.

Weiterführende Informationen
Zur Internetseite der Kampagne DFG2020: www.dfg.de/2020
Deutsche Forschungsgemeinschaft
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Ein vernünftiges und gut formuliertes Statement, wie ich meine!