Organspende als Widerspruchsregelung

Die neue Gesetzesregelung von Gesundheitsminister Jens Spahn sieht vor, dass nach Feststellung des Hirntods das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit verfällt.

Konkret bedeutet dies, wenn zwei oder drei Ärzte „unabhängig“ voneinander bestätigen, die betreffende Person sei hirntot, dann kann sie ausgeschlachtet und verarbeitet werden wie ein Schwein, denn etwas anderes ist es nicht, außer, dass das Fleisch nicht gegessen wird.

Wie wird denn der Hirntod festgestellt, wird die zu untersuchende Person an unterschiedliche Geräte angehängt, mit denen die Hirnströme gemessen werden? Wohl kaum, denn es bleibt keine Zeit andere Geräte anzuschließen. Die drei Ärzte schauen also auf ein und das selbe Gerät und geben dann „unabhängig“ voneinander ihre Meinung ab. Wer über ein Jahrzehnt in Krankenhäusern gearbeitet hat, der weiß, wie miserabel es um die Ethik vieler Ärzte bestellt ist. 

Ich stelle nicht infrage, der Mensch, dessen Hirnströme versiegt sind, sei tot. Infrage stelle ich die Integrität der Ärzte, die ihr Handeln unter dem Deckmantel der Menschlichkeit ausüben. Mit Menschenliebe und Humanität – blickt man nicht hinter die Kulissen – lassen sich viele egoistische Ambitionen kaschieren. Man nehme nur die vielen Hilfsorganisationen, die weniger aus Gründen wahrer Nächstenliebe handeln, sondern mehr aus Gründen des Selbsterhalts und der Eigendarstellung, denn mit dem Geld der Spender lässt sich gut leben. Gerade Kriminelle erweisen sich vordergründig als Wohltäter, um der Masse, die leicht beeinflussbar ist, ein Image des Gutmenschen zu suggerieren.

Ein weiteres Argument halte ich für enorm wichtig: Über Jahrtausende pflegten die Menschen einen Totenkult, in vielen Ländern auch heute noch, der ihnen Hoffnung gab und gibt und damit Kraft zu Lebzeiten. Heute, in einer allzu modernen Welt, spricht man von Ethik, Moral und Empathie, von der Verpflichtung anderen zu helfen. Sicherlich, Menschen, die Not leiden, sollte geholfen werden und ich möchte nicht in der Haut von jemanden stecken, der dringend auf ein Spenderorgan wartet. Darf dies aber so weit gehen, dass vermeintliche Organspender per Gesetz ausgeweidet werden dürfen?

Es gilt als human, seinen Mitmenschen, egal wem, zu helfen. Und das in einer Welt, in der es kein Pardon mehr gibt, kein Verzeihen, keine Kompromisse, kein Verständnis für andere Meinungen, nur noch Dogmen und Ideologien. Auf einmal ist alles vergessen, die Antipathien, die politischen Kontroversen, der Hass, man spendet womöglich dem seine Organe, der einen zuvor diffamiert hat. Es wurde ernsthaft gefragt, ob man nur Flüchtlingen seine Organe spenden dürfe. Ich frage, was tun denn die anderen für einen, was tut der Staat für uns? 

Er nimmt unser Geld durch hohe Steuerlasten, unser Erbe, raubt uns unsere Freiheit, unsere Zeit, unsere Ruhe und unser Grundrecht auf Selbstbestimmung. Er gängelt uns durch ausgetüftelte Normen und angeblich notwendig gewordene Zwangsabgaben und nun stiehlt er auch noch unsere Organe. Wir sind nicht als Menschen, sondern nur noch als Maschinen, als arbeitswillige Marionetten interessant. Nur solange wir der Gesellschaft in irgendeiner Weise von Nutzen sind, ist unser Dasein erhaltungswürdig. Das klingt hart, ich weiß, doch schauen wir hinter die Kulissen, wird man dort wenig bedingungslose Liebe und Uneigennützigkeit finden.

Man könne gegen die Organentnahme schließlich Widerspruch einlegen, heißt es beschwichtigend. Tja, das ist so eine Sache, denn der Widerspruch ist vor dem Amt ein öffentlicher Akt und nicht anonym. Viele scheuen zuzugeben, dass sie ihre Organe nicht spenden möchten, aus welchen Gründen auch immer, seien es religiöse oder aus einem Misstrauen heraus. Egal, im Endeffekt stehen sie als Unmenschen da, die von der Gesellschaft verurteilt werden, so wie jeder diffamiert wird, der nicht dem ach so edlen Mainstream folgt.

Und die Begründung, mit einer erhöhten Organspendebereitschaft den illegalen Organhandel unterbinden zu können, ist ein Trugschluss. Die Menschen werden durch ihre ausschweifende Lebensweise und durch wachsende Umweltbelastungen zunehmend kränker. Immer häufiger werden Ersatzorgane, eigentlich sind es Ersatzteile, benötigt. Der Sumpf des Schwarzmarkts wird deswegen nicht trocken gelegt. Ich schreibe darüber in meinem Buch „Das Netz der Gier“ ausführlich.

Hier ein Passus: „Die weltweite Nachfrage nach Organen ist gewaltig und wächst Jahr für Jahr. Der Preis von bis zu mittlerweile 70.000 Dollar für eine Niere ist für gewissenlose Kriminelle geradezu verlockend. Neben Indien, wo der Organhandel wie ein Basar funktioniert, hat sich verstärkt auf der Sinai-Halbinsel, nördlich von Sharm el Sheikh, das Geschäft dieser perversen Beschaffungskriminalität etabliert. Von Beduinenstämmen entführt, oder von Schleusern abgekauft, fallen afrikanische Flüchtlinge aus dem Sudan, Äthiopien und Eritrea skrupellosen Schlächtern zum Opfer, die den Organhandel wie einen Autoersatzteilhandel betreiben. Nach Angaben der UN Refugee Agency fordern die Beduinen 30.000 Dollar Lösegeld pro Person und mehr…“

Es geht nicht um Moral, die lediglich vordergründigem Kaschieren eigener Begierden dient. Es dreht sich, wie immer, um die drei „M“: Macht, Moneten, Mädchen.