Tirol im Wandel

 

 (Kufstein)

 

Gestern, den 29.05.2018, besuchte ich eine mir als idyllisch in Erinnerung gebliebene und lieb gewonnene Region in Tirol, die mit anderen mein Leben prägten. Es waren die späten 1950er Jahre, in denen wir in der Umgebung von Wörgel Urlaub machten. Wie anmutig Wörgel, Kirchbichl und Angath doch waren, die ewig langen Wege über duftende Wiesen und Weiden – damals. 

Bei einer Durchreise Jahrzehnte später war schon nichts mehr übrig von der landschaftlichen Schönheit, von der Beschaulichkeit der kleinen Orte. Die Autobahn nach Italien zerriß förmlich das Tal, breite Zufahrtsstraßen, moderne Häuser mit flachen Dächern, Supermärkte, ein Landschaftsbild einer modernen, hektischen Welt. 

Doch gestern empfand ich alles als noch viel schlimmer, die Veränderungen erwiesen sich als so eklatant, dass nun auch wirklich nichts mehr übrig war von dem, was die Region einst so schön erscheinen ließ. Was zuzubauen war, war zubetoniert, zugepflastert, eingesäumt und asphaltiert. Selbst die abgelegeneren Ortschaften schienen sich dem unpersönlichen Bausstil anzupassen. Jeder Quadratmeter scheint einer ausschweifend wirtschaftlichen Nutzung zum Opfer zu fallen. Ein Umstand, zusammen mit der wachsenden Bevölkerungszahl, der die Grundstückspreise mittlerweile fast unerschwinglich werden lässt, zumindest für den Normalsterblichen. Es ist eine Entwicklung, wie man sie auch in Städte nahen Regionen Deutschlands erkennen kann. 

In Wörgel stellt sich allein ein Hotel mitten im Ort gegen den Trend und versucht ein Flair alter Tage zu erhalten, mitten zwischen unpersönlichen Geschäftsstraßen. Die Frage ist, wie lange es dem Trend der Modernen noch standhalten kann. Ähnliches Schicksal erleiden malerische Fachwerk- und Holzhäuser, teils mit spitzen oder kegelförmigen Dächern, Gauben und verschnörkelten Fassaden, denen man Flachdachbauten unmittelbar vor die Nase setzt.

Auffallend war auch, dass die gefühlte Hälfte der Bevölkerung arabischen, fernöstlichen sowie afrikanischen Ursprungs war. Sicherlich, früher strömten die Teutonen und Italiener durch die Gassen, doch erschien einem das weniger oder garnicht fremd. Heute, so las ich gerade in einem Tweet, ist auch Meran von dieser Entwicklung betroffen. Meran, ehemals eine Hochburg wanderfreudiger Sandalenträger, heute ein Pool Maximalpigmentierter in Turnschuhen.

Schönes Tirol, was ist aus dir geworden?