Nur das Gesetz kann uns Freiheit geben

 

Nur das Gesetz kann uns Freiheit geben. So steht es im Ritual. Was ist damit gemeint. Bezieht sich diese aussage auf die Normen des jeweiligen Landes? Wohl eher nicht, denn dazu sind die Gesetze zu unterschiedlich und Freiheit garantieren sie in Ländern wie China sicherlich nicht.

Dieser Satz ist als Gleichnis zu verstehen. Denn je mehr niedergeschriebene Gesetze wir umsetzen müssen, desto mehr wird unsere Freiheit eingeschränkt. Es muss sich also um eine anderes Gesetz handeln.

Handelt es sich um das göttliche Gesetz, schließlich wird vom Buch des heiligen Gesetzes gesprochen, womit in der geöffneten Loge die Bibel gemeint ist?
Könnte man sagen, wenn man damit nicht die „Person“ Gott als gesetzgebende Instanz sieht.

Sieht man allerdings auch dies symbolisch, so kann es sich nur um das Naturgesetz, um unser inneres Gesetz handeln, um ein Gesetz, das mit der Menschwerdung in den einzelnen Entwicklungsstufen entsteht und reift.

Jeder Grad bis in die obersten weiterführenden Grade bietet hierfür Hilfestellungen, dienen als Werkzeug zur Menschwerdung. In jeder einzelnen Stufe wird dem Probanden eine Tugend dargelegt, der er sich zu stellen hat und die er verinnerlichen muss. Natürlich braucht man zu dieser Form der Menschwerdung keine weiterführende Grade, es reichen die ersten drei, sofern man dem Probanden Zeit für die Verinnerlichung lässt. Dies wird aber meist unterschätzt und daher unterlassen. Ein fataler Fehler, der sich tagtäglich bewahrheitet.

Der Fehler liegt darin, sich selbst nicht gewissenhaft als Rauhen Stein zu behandeln, sondern die Verhaltensweisen, seine eigenen und die anderer Menschen, einer Gesetzessammlung zuordnet und damit Verantwortung abwälzt, um nicht selbst schuld zu sein. Dabei trägt jeder selbst die Verantwortung für sein Handeln.

Es ist das Gewissen über unser eigenes Handeln, das uns Freiheit geben kann. Es ist das innere Gesetz von Friedfertigkeit, Gerechtigkeit, Respekt und Menschlichkeit, dem wir folgen sollen.
Dem geachtet wäre hier ein Bezug zur Bibel zu sehen und zwar zur Goldenen Regel, die besagt: Tue keinem anderen, was Du nicht willst, das man Dir tue. Die Betonung liegt auf „wäre“, denn dieser Satz birgt seine Tücken, auf die ich hier jedoch nicht eingehen werde.
Wer aber die Tugenden der einzelnen Grade verinnerlicht, der wird das Gesetz entwickeln.