Generation Schneeflocke

 

Die Kapitulation der westlichen Welt vor der Generation Schneeflocke

Treffender als es Frau Tamara Wernli in ihrem Artikel „Invasion der Memmen“, erschienen am 12.01.2017 in der Basler Zeitung(https://bazonline.ch/panorama/invasion-der-memmen/story/24274221), ausdrückte, kann man es eigentlich nicht. Sie spricht von Schülern und Studenten, die wegen jedem Rückschlag, wegen jeder Kritik gleich traumatisiert den Schulpsychologen aufsuchen, um sich auszuweinen.

„Für die Generation Schneeflocke ist tatsächlich alles ganz unerträglich. Generation Schneeflocke ist die Bezeichnung für junge Menschen, die emotional sehr verletzlich sind, wenig belastbar und die abweichende Meinungen als persönliche Herabwürdigung empfinden. Sie sehen es als ihr Grundrecht, von allen potenziell unangenehmen Dingen im Leben geschützt zu werden.“
Hochschulen seien geradezu Förderer dieser „Ich bin das Zentrum des Universums-Haltung“, behauptet Tamara Wernli. „The Telegraph“ ­hätte sogar berichtet , dass immer mehr Universitäten in den USA und England zum Schutze der jungen Seelen Trigger Warnings einführen, also Vorwarnungen, dass beim Ansehen von Bildern und Lesen von Texten möglicherweise psychische Belastungs-Traumata entstehen könnten. So werden Veterinärstudenten vor toten Tieren und den daraus entstehenden psychischen Folgen gewarnt. Studenten werden bei Gender-Studien auf mögliche negativen Reaktionen hingewiesen. Studenten, die sich dadurch belastet fühlten, könnten den Unterricht verlassen und sich in Schutzräume, sogenannte Safe Spaces zurückziehen. Dies sind speziell eingerichtete Komforträume, die ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln sollen. Nach dem Trump-Schock schossen diese zeitgenössischen Kuschelzonen an US-Hochschulen laut The Washington Post wie Pilze aus dem Boden. Soweit Wernli.

Wer der Weltanschauung der Schneeflocken widerspricht, fällt in Ungnade und wird systematisch verfolgt, angegriffen und an den Pranger gestellt. Als Waffe dienen Schlagworte und KO-Argumente, wie Unmensch, Nazi, Rassist. Niemand hat anzuzweifeln, was die sich für vollkommen haltenden Schneeflocken tun und sagen, denn sie fühlen sich über jeden Verdacht erhaben, unmoralisch zu sein oder falsch zu liegen. Damit weisen sie klare Tendenzen des Gutmenschsyndroms auf. Selbstreflexion ist ihnen genauso fremd wie eine sachlich-objektive Beurteilung der Gegebenheiten. Zählen tun nur ihre Emotionen und Ihr Ego.
Dies geben sie an ihre Kinder weiter, die dadurch nicht Gerechtigkeit, sondern Selbstgerechtigkeit lernen und dies ihren „Vorbildern“ abschauen. Was sind das aber für Vorbilder, die keine Authentizität und keine Autorität mehr besitzen? Es sind verweichlichte Heulsusen. Und ihre Kinder wachsen zu ebensolchen Jammerlappen heran.

Doch was sind die Ursachen für eine solche Entwicklung?

1. Viele Kinder erfahren zu wenig Nestwärme, werden schon früh in Kitas untergebracht, eigentlich geparkt, weil beide Elternteile arbeiten wollen oder müssen, und verlieren dadurch eine eindeutige Bezugsperson, die aber für ihre Entwicklung wichtig ist. Die Trennung von Mutter und Kind ist nämlich nicht bedürfnisorientiert, führt sie doch unter anderem zu Verlustängsten bei den Kindern. Andererseits zur abnormen Individualisierung mit späteren Bindungsängsten. Das müsste in einer gut geführten Kita nicht sein, sofern das Zeit-Verhältnis Eltern/Kind und Kita/Kind bei mindestens 3:2 liegt und das Kita-Personal entsprechend qualifiziert ist. Ist es aber oft nicht. In den meisten Fällen ist das Personal in Kitas überlastet, schlecht ausgebildet und überfordert, ein Zustand, der durch häufigen Personalwechsel, bedingt durch die Überlastung, nicht verbessert wird. Die Folge, Kinder übernehmen diese Unruhe und werden nervös, einige zeigen sogar Verhaltens- und Sprachstörungen. ADHS ist da nur ein Beispiel.

Gemäß der NUBBEK-Studie, die 2012 vom Bundesfamilienministerium gefördert wurde, wird die Hälfte aller Kinder in Krippen, Kindergärten oder bei Tagesmüttern nur mittelmäßig bis schlecht betreut. Die seit Jahren geforderte Hochschulausbildung für Erzieher wäre eine Lösung, ist aber illusorisch in Anbetracht des Personalmangels. Aufgrund dieser Tatsache werden die vielerorts niedrigen Standards weiter sinken, denn Zehntausende qualifizierte Fachkräfte fallen nicht über Nacht vom Himmel. Und so werden die Gruppen eben vergrößert und damit die Betreuungsschlüssel weiter verschlechtert. Bis heute hat sich da nichts geändert, außer, dass Erzieherinnen vermehrt an Burn Out leiden und dass es bis heute keine einheitlichen Qualitätsstandards gibt. Ein sehr guter Artikel zu diesem Thema findet sich hier: http://trainyabrain-blog.com/2013/09/schicken-wir-unsere-kinder-zu-frueh-in-die-kita/

2. Den heutigen Kindern werden keine Grenzen aufgezeigt, man bittet Kleinkinder etwas zu tun oder etwas nicht zu tun und überlässt ihnen, wohlgemerkt kleinen Kindern zwischen 2 und 7 Jahren, selbst die Entscheidung zu treffen. Sie könnten ja durch ein herbes „Nein“ oder einen barschen Befehlston bleibende psychische Schäden davontragen.
Kinder suchen immer ihre Grenzen, das ist ein Naturgesetz. Um sich in einer freien Gesellschaft zu integrieren, müssen diese Grenzen der eigenen Freiheit kennengelernt und akzeptiert werden. Heute scheint mir diese Gesellschaft aber nur noch bedingt zu funktionieren, da die Freiheit des einzelnen auf die Freiheit einer Schneeflockengruppe begrenzt ist und damit einer autoritären, es handelt sich nämlich nicht um eine antiautoritäre, Gesinnung zum Opfer fällt. Einerseits brüsten sich Schneeflocken mit ihrer angeblichen Toleranz und ihrer antiautoritären Haltung, was sie beides jedoch nicht erfüllen, wie man an ihrem Verhalten gegenüber Andersdenkenden schnell erkennen kann.

Kinder testen, wie auch junge Hunde, Katzen und Wildtiere aus, was sie sich erlauben dürfen, wie weit man sie gehen lässt. Wenn Eltern nur mit „bitte“ und „Sowas tut man nicht“ reagieren, sind das keine ernst zu nehmende Grenzen und das Kind lässt sich von dieser seichten Grenzziehung nicht beeindrucken. Es quengelt weiter, womit es die Eltern auf eine harte Probe stellt. Erfolgt immer noch kein Einhalt, entwickelt sich Frustration und mangelnde Kompromissbereitschaft. Solche Kinder suchen später gerne den Konflikt und werden nicht selten kriminell, solange bis sie jemand stoppt. In der Tierwelt bekommt der Nachwuchs von der Mutter beizeiten und nach Überschreiten der Toleranzgrenze einfach eine gelangt.

Oh Gott, ich höre schon den Aufschrei der entsetzten Schneeflocken-Eltern, die diese Maßnahme für nicht adäquat und als Körpermisshandlung einstufen. Sie kennen eben nur das eine Extrem und das andere. Für solche inflexiblen Eltern existieren keine Zwischenstufen. Nun kommt der Profi der Pädagogik und belehrt, hier sei psychologisch vorzugehen, man müsse Autorität zeigen und notfalls mit Missachtung, also mit kurzfristigem Liebesentzug reagieren. Ja der Liebesentzug führt tatsächlich zum Erfolg. In vielen Gesprächen mit Frauen und Männern habe ich erleben müssen, welche katastrophalen Folgen Liebesentzug haben kann.

Jetzt wieder der kluge Erziehungsberater: Liebesentzug muss dosiert und befristet sein.

Sehr schlau, bei der körperlichen Züchtigung verneint er eine geeignete Dosierungsmöglichkeit, verlangt aber hier von Laien, sie sollen psychologische Tricks wohl dosiert anwenden. Das geht unweigerlich in die Hose, wie man in den überfüllten Psychosomatischen Kliniken und Mütterkindheimen sehen kann.

In unserem humanistischen Gymnasium, ich betone humanistisch, hatten wir einen Lehrer „S“, der zur Strafe den Schüler sich an der Schultafel bücken ließ, so dass sein Hinterteil zur Klasse zeigte und schlug dann mit dem großen Meterlineal einmal kräftig auf dessen Allerwertesten.
Oh, die Armen, höre ich jetzt das Geschrei vieler Pseudopädagogen, wie entsetzlich, der Lehrer gehörte sofort entlassen. Nur wer nicht jammerte waren die betroffenen Schüler, die verschmitzt grinsend auf ihren Platz zurückgingen. Manch einer legte es förmlich darauf an, diese „Mutprobe“ über sich ergehen zu lassen, um dann mit geschwellter Brust der Klasse sein Grinsen zu unterbreiten. Es trug keiner einen Schaden davon, für Lehrer wie Schüler war damit die Sache erledigt, zumal die Züchtigung immer zu recht erfolgte und nie einen unschuldigen Klassenkameraden ereilte.

Jetzt kommt wieder der Einwand heutiger Erzieher, dass man eine Maßregelung auch ohne Schläge hätte erreichen können. Sicherlich, so wie Lehrer „F“, der in absolut ungerechter Weise alle Schüler, die er nicht mochte mit schlechten Noten bedachte, und genau wusste, wie er die Schwächen der einzelnen ausnutzen konnte, um sie vor der Klasse zu blamieren. Er betrieb Mobbing und Psychoterror in seiner unangenehmsten Form. Noch 30 Jahre später sprach man von den „F“- Geschädigten – 3/4 all seiner Schüler. Hier entstand ein nachhaltiges psychisches Problem, das eben nicht so einfach zu verarbeiten war, während man sich über Lehrer „S“ immer noch anerkennend und schmunzelnd äußerte.
Wieder der Einwand der Klugscheißer, die selbst nicht differenzieren können, ich würde von zwei Extremfällen berichten, wo es hier doch Zwischenstufen und andere pädagogische Hilfsmittel gäbe.
Strafen etwa? Strenge haben die Schneeflockenkinder doch nicht erlebt. Und wenn man Strafen nur androht, diese aber nicht durchsetzt, erreicht man damit lediglich das Gegenteil.

3. Da wären noch Lob und Liebe. Beides setzt aber voraus, die Kinder bekamen von zu Hause eine vernünftige Einstellung dazu mitgeliefert. Wer nämlich sein Kind bei jeder Gelegenheit lobt, wie ich es täglich sehe, z.B. auch bei einem Bild, das das Kind gemalt hat und scheußlich aussieht, sagt: „Das hast Du aber fein gemalt!“, dann frage ich mich, wie ein solches Kind zur Selbstreflexion erzogen werden soll? Und genau solche Kinder, sind dann nicht nur enttäuscht, wenn sie später nicht für all ihr Tun ein Lob bekommen, sondern sind echt gekränkt und ziehen sich, wie Frau Wernli es treffend ausdrückt, in ihren Save Space zurück, schmollend und ihre Psyche pudernd. Um ein Lob zu erhalten, muss man schon Leistung erbringen, dass muss dem Kind klar sein. Und es muss ihm auch klar sein, dass es von den Eltern geliebt wird, egal was es anstellt, ein Liebesentzug aus taktischen Gründen ist inakzeptabel, auch bei Paaren, wo mir dies in Gesprächen häufig mitgeteilt wurde.
„In der Pädagogik haben wir uns in Deutschland auf der Gratwanderung zwischen Disziplin und Liebe fast 40 Jahre lang zu sehr der Liebe zugeneigt. Wir mussten einsehen, dass Liebe allein nicht genügt. Nun müssen wir uns wieder der Disziplin zuwenden“, meint Bernhard Bueb. Natürlich müssen sich Liebe und Disziplin in einem ausgewogenen Verhältnis befinden.
Dies trifft aber nicht zu, denn heute werden Kinder mit überschwänglicher Liebe überschüttet, banal, abgestumpft, floskelhaft wie ein morgendlicher Gruß. Ein „ich hab Dich lieb“ bei jeder Gelegenheit, nach jedem Telefonat, bei jedem Abschied, auch wenn er nur für eine Stunde ist. Grauenhaft, was für eine Trivialisierung des Begriffes Liebe und dessen Inhalt.
Disziplin wird nur in gewissen leistungsorientierten Kreisen abverlangt, die diese Disziplin an oberste Priorität stellen und ihr die Liebe unterordnen. Diese armen Kinder haben einen vollen Stundenplan, nach der Schule zum Musikunterricht, zum Tennis, danach eine Reitstunde und bei Mädchen Ballett, damit sie sich in ihrem zukünftigen Leben in der gehobenen Gesellschaft zu bewegen wissen.

4. Bildung und Disziplin: Die schulische und spätere Qualifikation lässt, wie zu erwarten, bei den Schneeflöckchen dementsprechend zu wünschen übrig, denn die Lehrer sind überfordert und kommen mit ihnen nicht zurecht. Wie auch, wenn bei jeder Rüge sofort ein Schneeflockenelternteil erbost bei der Schulleitung vorstellig wird und sich über besagten Lehrer beschwert.
„Der Bildungsnotstand in Deutschland ist die Folge eines Erziehungsnotstandes“, sagt Dr. Bernhard Bueb, ehemaliger Direktor des Internats Salem.

Wer heute als Lehrer, wie ein Jugendfreund von mir, Autorität beweist und seine Erfahrungen zum Besten gibt, womöglich noch veröffentlicht, Erfahrungen, die nicht mit der allgemeinen politischen Lehrmeinung konform gehen, dem droht die Entlassung, zumindest die Versetzung. Ganz abgesehen davon, dass er vom Kollegium gemobbt wird. Bernhard Bueb meint dazu: „Als Lehrer muss ich mich darauf verlassen dürfen, dass mir das Amt Autorität verleiht wie dem Polizisten auch. Es gibt viel zu viele mittelmäßige Lehrer, die nicht über eine natürliche Autorität verfügen. Sie brauchen den Schutz der Amtsautorität.“
Es nützt wenig, wie es verschiedene Politiker heute fordern, mehr Geld in die Bildung zu stecken, solange die Ursachen nicht behoben sind. Das Problem ist der schlechte Bildungsstand, die Einstellung der Entscheidungsträger sowie deren Personal- und Lehrplanentscheidungen. Die ständige flächendeckende Umstellung der Lehr- und Studienpläne an Schulen und Universitäten ist ein Beweis für deren Unsicherheit und Inkompetenz und ein sichtbares Zeichen einer generellen Entwertung des Wissens. Zumindest entspricht dieser legalisierte Dilettantismus durchaus dem Zeitgeist, so Konrad Paul Liessmann.
„Woher die Direktoren, die früher womöglich keine besonderen Lehrer waren und nicht selten aus politischen Gründen avancierten, nun plötzlich die Kompetenz für unbestechliche Personalentscheidungen beziehen wollen, bleibt ein Rätsel.“, so Liessmann (Geisterstunde S.43)
Geld in das jetzige Bildungssystem zu stecken, so wie es sich darstellt, würde das bisherige System nur begünstigen, aber nicht die Einstellung der Lehrkörper oder der Schüler und Studenten. Dazu zählt auch ein nach außen hin populäres Versorgen von ganzen Schulklassen mit Laptops und Tablets. Liessmann sagt dazu: „Der materielle Aufwand steht zu den erwartbaren bescheidenen Ergebnissen in einem krassen Missverhältnis. In Amerika, wo schon sehr früh Notebook- und Tabletklassen eingeführt wurden, geht man dazu über, die Tablets wieder aus den Schulen zu verbannen. Die Manager der Internetkonzerne aus dem Silicon Valley schicken ihre Kinder bevorzugt in Waldorfschulen, an denen digitale Geräte verboten sind, weil das Ablenkungs- und Zerstreuungspotenzial durch diese Geräte massiv verstärkt wird und wichtige Lernprozesse, in denen es um die grundlegenden Kulturtechniken, die Entwicklung von Fantasie und Kreativität, die Erkundung der realen Welt geht, dadurch sabotiert werden.“
Wie seit der Einführung von Taschenrechnern der Schüler die Grundrechnungsarten weitgehend verlernt hat, so verlernt er mit Tablets das Lernen an sich und das handschriftliche Schreiben. Denn im Internet glaubt er all das Wissen zeitnah zu bekommen, was er benötigt. Aber gerade im Internet lassen sich Umstände mittels Falschmeldungen auf vorderen Plätze der Suchmaschinen leicht manipulieren.
Liessmann: „Wer produziert denn diese sogenannten Fake-News? Es sind in der Regel junge Menschen, die sich in den sozialen Netzwerken bewegen, die imstande sind, Apps und Bots zu programmieren, die sich in diesen Filterblasen eingerichtet haben und diese bespielen und die ihre Kompetenz mit Lust verwenden, um Informationsflüsse zu stören.“
Und im gleichen Atemzug bezichtigen Gruppen von Menschen Medien als Lügenpresse, das ist doch paradox. Zumal es die Lügenpresse früher in den 1960er und 1970er Jahren schon gab, diesmal von der anderen Seite, von links, denn „selbstverständlich“ wurden alle bürgerlichen Zeitungen für Lügenpresse gehalten, weil sie im Dienste des Imperialismus und Kapitalismus stünden, so Liessmann.
Folge ist, wir haben immer weniger im Kopf, und das Wissen hinterlässt auch keine Spuren mehr in unserer Seele. Dies könne man an jeder Talkshow beobachten, in der die Menschen, auch und gerade die Eliten, immer weniger wissen, so Liessmann. „Deshalb auch dieses haltlose Meinungsgelaber und Bekunden von Affekten und Emotionen, diese Hilflosigkeit und Aufgeregtheit gegenüber den Fake-News, die man nicht mehr überprüfen kann, weil weder Vernunft noch Urteilskraft funktionieren, und auch kaum Grundkenntnisse vorhanden sind.“ (derStandard.at: INTERVIEW Lisa Nimmervoll vom 7. Juni 2017)

Ein Schüler, der nichts gelernt hat und nur wegen seiner Schneeflockenmentalität weitergekommen ist und dann Lehrer wird, kann und wird nur das weitergeben, was man ihm anerzogen hat. Wird er dann womöglich noch Dozent an einer Uni und bildet Lehrer aus, ist alles zu spät, der Kreis der Unbildung schließt sich. Es reicht heute, und das zieht sich bis in die höchsten Etagen von Politik, Medien und staatlichen Einrichtungen, sich am Mittelmaß zu orientieren, also sich mediokren zu erweisen. (Konrad Paul Liessmann „Geisterstunde“ – Die Praxis der Unbildung)
„Ja. Wir sprechen in Deutschland zu viel von Bildung und viel zu wenig von Erziehung“, sagt Bernhard Bueb in einem Interview mit dem Spiegel.
Bueb bemängelt in der Erziehung den Verlust an Gerechtigkeit, Freiheit und Wahrheit, aber auch die Sekundärtugenden wie Gehorsam, Pünktlichkeit und Ordnungssinn, die in unserer heutigen Gesellschaft diffamiert würden. Dies unter anderem deshalb, weil diese Tugenden im Nationalsozialismus missbraucht wurden und der Förderung einer unmenschlichen Idee dienten. Die 68er Generation hätte sich genau aus diesem Grunde empört, allerdings gleich alles infrage gestellt, was mit alten Tugenden in Verbindung stand. Die Folge war eine antiautoritäre Erziehung.

Noch heute hat das linke Bürgertum eine Abwertung dieser Tugenden übernommen. Die Folge, eine Schneeflockengesellschaft. Damals wie heute bestand und besteht die Gefahr, dass die Kinder überhaupt nicht mehr erzogen werden und sich eben zu egoistischen Schneeflocken entwickeln, die durch eigene Anstrengung in ihrem Leben bisher kaum etwas erreicht haben. Entweder wurden Ergebnisse eingeklagt, durch psychologische Erpressung erzwungen oder von betuchten Helikopter-Eltern passend gemacht. Das Glücksgefühl des selbst Erschaffenen geht solchen Kindern und Jugendlichen verloren, wo man ihnen doch alles fertig gerichtet serviert. Und wehe es pass mal nicht so, wie sie sich das vorstellen.
„Der lange Arm Hitlers hindert uns noch immer daran, Disziplin selbstverständlich einzufordern. Doch die Zukunft Deutschlands hängt von der Rückkehr zur Disziplin ab“, sagt Bueb.
Kinder wachsen und reifen durch Reibung. Da unsere Kinder dies aber nicht mehr dürfen, Spielen auf dem Abenteuerspielplatz und im Wald ist rar geworden, kommt es nicht zu diesen Reibungen unter Gleichaltrigen. Kinder der Schneeflockengeneration sind überbehütet und gewöhnt, ihren Willen immer zu bekommen. Somit lernen sie auch keine Hierarchien kennen und auch keinen Respekt diesen gegenüber. Um so mehr nicht, wenn die Eltern keine Autorität und Vorbildfunktion besitzen. Das haben uns ausländische Kinder voraus, denn diese müssen Disziplin, hierarchische Strukturen und Gehorsam lernen.
Letztlich zielen Erziehung und Bildung darauf, „einen Menschen instand zu setzen, sich selbst und die Welt zu erkennen und in ihr mutig zu handeln“, so Bueb.

5. Realitätsverweigerung: Schneeflocken weigern sich, die Realität zu erkennen und scheuen sich, mutige Entscheidungen zu treffen. Da Schneeflocken so von sich und ihrer Moraleinstellung überzeugt sind, gibt es keine andere Wahrheit, außer der ihren. Diese Realitätsverweigerung führt zwangsläufig zu Fehlinterpretationen.
Ein Problem, das seit Jahren auch in der Bundeswehr auftaucht. Fällt dann doch jemand eine schwere und folgenreiche Entscheidung, findet er keine Rückendeckung durch seinen Vorgesetzten, der der Schneeflockengesellschaft entstammt und sich dieser gegenüber glaubt rechtfertigen zu müssen. So geschehen mit Oberst Klein in Kundus, der von dem damaligen Verteidigungsminister Guttenberg suspendiert wurde, ohne dass dieser die Situation vor Ort beurteilen konnte. Ein Trauerspiel und für viele Soldaten entmutigend. Ich als Stabsveterinär (Hauptmannsdienstgrad) der Reserve habe wie viele andere Offiziere für solch ein Fehlverhalten eines Vorgesetzten und Verteidigungsministers kein Verständnis, dies ist destruktiv für den Zusammenhalt der Truppe. Aber es ist ein Beispiel für mangelndes Rückgrat und für die Generation Schneeflocke. Schneeflocken übernehmen keine Verantwortung und sichern sich nach allen Seiten durch Verträge und Versicherungen ab, Ehre und Pflichtbewusstsein ist ihnen fremd.

Gute Nacht Deutschland, gute Nacht Europa, gute Nacht westliche Welt.