
Die Zeit rast dahin, wir werden getrieben von Angstmachern, die dunkle Szenarien malen, um uns besser manipulieren zu können, Kriegs-Provokateure schütten Öl ins Feuer, das sie selbst gelegt haben, während Hassprediger für die nötige Zugluft sorgen, die das Feuer am Lodern hält.
Unsere tägliche Arbeit in Büros, Fabriken, Handwerksbetrieben, auf dem Feld oder in der Garage, teils zermürbend, nervenaufreibend und frustrierend, wird nicht belohnt, vielmehr durch steigende Steuern, Abgaben und Einschränkungen entwertet.
Das, was der Staat sich schamlos nimmt, wird sinnlos und verantwortungslos vergeudet, verschenkt und veruntreut. Gelder, die der hart arbeitenden Bevölkerung zustehen, fließen in dunkle Kanäle und korrupte Taschen. Raffgierige, inkompetente sowie ignorante Profiteuren regieren uns rücksichtslos, nehmen uns unsere Identität, wobei sie uns belügen, indoktrinieren, konditionieren und auf Linie peitschen.
Freiheit war gestern, Ehre und Ehrlichkeit verkümmerten zu verlorenen Tugenden, ebenso wie Anstand und Respekt. Perspektivlosigkeit und Zukunftsängste bestimmen unseren Alltag, rauben uns Kraft und Zuversicht. Frustration macht sich breit, sucht Auswege und Kanäle sie zu kompensieren, mittels Alkohol, Drogen, Sex und Sucht nach dem ultimativen Kick. Häufig begleitet von Unbeherrschtheit und Aggression.
Vernunft, Kompromissbereitschaft oder Nachgiebigkeit wurden durch Ignoranz, Sturheit und Unverzeihlichkeit ersetzt, Fachkompetenz durch Dilettantismus. Moralisten zwingen uns einen, eigentlich ihren, Gutmensch-Kollektivismus auf, der den Individualismus und ein gewachsenes Wir-Gefühl verdrängt. Der sich sträubende Quer- oder Andersdenkende wird zum Klassenfeind erklärt, zur persona non grata, notfalls geächtet und inhaftiert. Die Folge ist eine gewollte Spaltung der Gesellschaft in Schwarz und Weiß, Rechts und Links, begleitet von einer erzwungenen Blindheit für den goldenen Mittelweg. Wie heißt es doch so treffend: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“.

Ich sehne mich nach einer Zeit zurück, die besser war, ich sehne mich nach mehr Menschlichkeit, Zuversicht und Herzenswärme.
Einst liebte ich das Abendland, seine über Jahrtausende gewachsenen Kulturen, seine reizvollen Städte wie Paris, London, Rom, Berlin, Wien, Lissabon, Amsterdam und viele andere. Ich war stolz, Europäer zu sein. Dennoch zog es mich immer wieder in die Ferne, über die Grenzen Europas hinaus. Ich wollte vergleichen, lernen, durch Erfahrung wachsen, war neugierig, hungrig und abenteuerlustig. EINST!
Ich muss gestehen, nach wie vor lodert in mir das Feuer des Fernwehs, der Sehnsucht nach Abenteuer, unberührter Natur, atemberaubenden Landschaften und fremden Kulturen, nach unbeschwerten Reisen auf einsamen Pfaden, ohne Zwang, ohne Angst, abseits des Massentourismus, aber auch in pulsierende Metropolen.
Wir liebten es in den 1960er und 1970er Jahren, aber auch noch später, Städte zu Fuß zu erkunden, morgens, wie in Paris, wenn es erwacht (PARIS S′ÉVEILLE von Jacques Dutronc), bevor die Touristen aus ihren Betten krochen. Wir mieden typische Touristenhotels, schliefen lieber in kleinen Herbergen, Seemannsheimen, in YMCA-Hostels, genossen Bed & Breakfast oder nächtigten unter freiem Himmel. Mit wir meine ich meine Frau, Freunde und später meine Söhne sowie mich selbst.
Wir hatten das Glück, Sehenswürdigkeiten zu einer Zeit erkunden zu können, ohne touristischen Ausverkauf. Weder gab es Eintrittspreise zum Kolosseum in Rom noch traf man Touristen auf dem alten Inkapfad nach Machu Picchu. Die chinesische Mauer bestiegen wir bei Simatai und nicht in Badaling, wo der Massentourismus einfiel und einfällt. Wir trampten durch die USA und durch Venezuela, schliefen an Deck eines alten Kahns in der Karibik während hoher See, reisten mit leichtem Handgepäck durch ganz Südamerika, schliefen in Hängematten auf einem Amazonasdampfer, nutzten örtliche Bussverbindungen, saßen zwischen Einheimischen, Hühnern und spielenden Kindern und stiegen in Rio de Janeiro auf den Corcovado empor zur Christusstatue ohne nachts auf dem Rückweg belästigt zu werden. Wir saßen unterhalb einer Festung auf einer kleinen Anhöhe, von der die Stadt Montevideo ihren Namen erhielt, blickten auf ein Stadtviertel, das in den 1950er Jahren stehen geblieben zu sein schien und sogen die Luft der großen weiten Welt in uns hinein.
Egal ob in europäischen Ländern, der Türkei, in Nord-, Mittel- oder Südamerika, in Thailand, Burma, Vietnam, China, Malaysia, Madagaskar oder Indien, nirgends hatten wir Angst vor Übergriffen. Selbst in Bogota oder Mexico City, wo man uns vor Diebesbanden warnte, erlebten wir nichts dergleichen. Allein in Südafrika ergriff uns ein beklemmendes Gefühl, ausgelöst von der augenscheinlichen Situation, in der Schwarze von Weißen ausgebeutet und als minderwertig angesehen wurden.
Dieses Gefühl des Unwohlseins, der Angst, überkommt einen mittlerweile fast überall auf der Welt. Wenn man nicht einmal mehr sicher durch die Kleinstadt Villach in Österreich gehen kann oder durch unser nahegelegenes Städtchen Pfarrkirchen, wo Talahons andere Jugendliche provozierend anrempeln, dann stimmt etwas nicht.
Die Zeit sorgloser Reisen ist vorbei, selbst vor Städtetouren raten uns bereits unsere erwachsenen und sonst so reiselustigen Kinder ab. Nichts ist mehr so wie es war.
In den 1970er Jahren konnten wir fliegen ohne kontrolliert zu werden. Selbst kleinere Messer durften wir mitführen, größere wurden während des Fluges beim Kapitän deponiert. Keiner hatte Angst nachts durch Europas Städte zu laufen. Security kannten wir nur aus den USA und nur vereinzelt bei Nacht. Oder als Schutz abgeschotteter Areale reicher Leute in China und Südafrika. Aber nicht auf Jahr- oder Weihnachtsmärkten, die durch Betonpoller zusätzlich gesichert sind.
Ich möchte raus, einfach nur weg („Sehnsucht“ von Purple Schulz 1984). Ich sehne mich zurück nach jenen Jahren der Zuversicht und weitgehender Sorglosigkeit, Jahre in denen es für jeden, der arbeiten wollte auch Arbeit gab. Jahre, wo Wohnungen zu haben, Mieten erschwinglich und Lebensmittel noch ein Genuss waren, wo der Mensch in der Regel als Mensch galt und nicht nach Statussymbolen beurteilt wurde. Sicherlich gab es Neid und Missgunst, aber kein Mobbing in der heutigen Form. Lehrer waren meist Vorbild und versuchten nicht die Schüler politisch und gesellschaftlich zu konditionieren. Leistung und Können waren Maßstab für die Qualifikation und nicht die Quote. In der Regierung hatten noch Staatsmänner das Sagen und keine engstirnigen Berufspolitiker ohne sonstige Berufs- und Lebenserfahrung, die das Volk erziehen und belehren wollen. Auch wenn es Versuche der Indoktrination und Unterdrückung in Schulen gab, vor allem in den 1950er Jahren, wogegen sich der Song von Pink Floyd aus dem Jahr 1979 richtete,
„We don′t need no education
We don’t need no thought control
No dark sarcasm in the classroom
Teacher, leave them kids alone“
folgte Anfang bis Ende der 1960er Jahre schrittweise eine Phase des Um- und Aufbruchs, der Befreiung von verkrusteten Ansichten und Zwängen. Es waren die goldenen Jahre dank Ludwig Erhard, die wie ein Befreiungsschlag wirkten. Wirtschaftsaufschwung, Wohlstand für alle, Verbesserung der Beziehungen zu Israel und den USA. Hoffnung prägte unser Leben, eine Hoffnung, die jedoch nur wenige Jahrzehnte währte, sich nicht erfüllte, sondern während der letzten 20 bis 25 Jahre Stück für Stück am politischen Unvermögen, an fehlender Weitsicht und neu entbrennenden Ideologien zerbrach.
Ich habe Heimweh. Ich möchte das Deutschland zurück, wo niemand Existenzängste haben musste, wo man auf den Straßen unbeschwert feiern konnte, es noch keine Betonpoller vor Märkten und Personenkontrollen bei Veranstaltungen gab. Wo Parks und Schwimmbäder sicher und NOGO-Areas selten waren. Wo Deutschland noch nicht unversöhnlich in Links und Rechts gespalten war und niemand Angst vor Terroranschlägen haben musste. Wo einem noch kein WEF weismachte, du seist glücklich, wenn du nichts besitzt. Wo die Bürokratie noch nicht ausuferte.
Man ließ uns leben, eigene Erfahrungen sammeln, belehrte uns nicht ständig. Wir waren frei!
Sicherlich möchte ich einige Vorzüge und Annehmlichkeiten der heutigen Zeit ungern missen, aber machen diese das wett, was wir verloren haben, unsere Freiheit?